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Sonntag, den 10.05.2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im Februar ging der KI-Agent OpenClaw viral. Das Solo-Projekt des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger zählte auf GitHub schnell zu den meistbeachteten Open-Source-Projekten der KI-Szene und die euphorischen Erfahrungsberichte über die neuen KI-Mitarbeiter überschlugen sich. Ein Nutzer berichtete, wie sein OpenClaw-Agent tagsüber in seiner Abwesenheit den Auftrag hatte, einen Tisch in seinem Lieblingsrestaurant zu reservieren. OpenClaw stellte fest, dass eine Reservierung über die Website des Restaurants nicht mehr möglich war, erstellte sich kurzerhand einen eigenen Voice-Agenten mit ElevenLabs und rief mit dieser Stimme im Restaurant an, um erfolgreich eine Reservierung auszuhandeln.
Peter Steinberger beschreibt sein Projekt als „einen Geist, der vor deinem Computer sitzt“ (Quelle: https://www.tech-europe.org/articles/100197905-entwickler-nennt-open-claw-einen-geist-der-vor-dem-computer-sitzt) – und der im Prinzip alles erledigen könne, was auch ein Mensch am PC leisten kann. Aus großer Macht folgt große Verantwortung – und leider auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Deshalb wurden sehr bald Stimmen laut, die vor einer unvorsichtigen Nutzung von OpenClaw warnten.
Kurz darauf zog OpenAI-Konkurrent Anthropic mit einer eigenen Lösung nach: Claude Cowork und Claude Code bekamen die Fähigkeit, den eigenen Computer zu verwenden.
Dieses Update versprach Abo-Zahlern (für rund 20 € im Monat) einen relativ niedrigschwelligen KI-Agenten auf dem eigenen PC. Das war der Moment, in dem ich mein ChatGPT-Abo kündigte und zu Claude wechselte. Claudes Fähigkeiten waren beeindruckend!
Claude schrieb mir nicht mehr nur meinen Python-Code, sondern installierte und erstellte – mit meiner Erlaubnis – alle notwendigen Dateien im gewünschten Ordner auf meinem PC, um mir direkt eine lauffähige Lern-App zu übergeben.
Als Nächstes testete ich Claude Browser-Use, also die Fähigkeit, auf den von mir freigegebenen Websites zu browsen. Mein Auftrag: „Durchsuche meine Amazon-Bestellliste 2025 und erstelle eine Excel-Tabelle mit allen Einkäufen, die ich von der Steuer absetzen kann.“ Beeindruckt verfolgte ich, wie Claude auf der von mir freigegebenen Website arbeitete und mir kurze Zeit später eine sauber kategorisierte Excel-Tabelle meiner Einkäufe inklusive Einschätzung zur Absetzbarkeit präsentierte – eine Arbeit, die mich sonst immer Stunden gekostet hatte.
Der einzige Wermutstropfen: Ich kam schon nach wenigen Anfragen an mein temporäres Nutzungslimit (trotz rund 20 € im Monat) und konnte die Arbeit am jeweiligen Projekt oft erst nach ein paar Stunden fortsetzen.
Ende April erschien nun das große neue Update von ChatGPT – und das hatte es in sich.
Rund um GPT-5.5, ChatGPT und Codex wurde nun von OpenAIs neuer „Super-App“ gesprochen. Codex kann im Grunde vieles, was Claude Code kann – für mich aber mit deutlich großzügigeren Nutzungslimits. Außerdem wurde mit ChatGPT Images 2.0 auch ein neues Bildmodell veröffentlicht, das in ersten Tests vor allem mit Fotorealismus und deutlich zuverlässigerer Textdarstellung auffiel. Gerade letzteres interessiert mich als Lehrer beim Erstellen von Schaubildern und Infografiken. Auch ich konnte im direkten Vergleich zum bisherigen Top-Modell „Nano Banana Pro“ von Google eine deutliche Verbesserung der Textimplementierung feststellen, insbesondere beim Verwenden des Thinking-Modus. Das Modell plant und prüft also zunächst genauer, bevor es schließlich das Bild generiert. Ein Beispiel:
„Ich möchte durch eine Illustration darstellen, wie Religion im Zuge von Aufklärung und Moderne durch Naturwissenschaft herausgefordert wurde: Friedrich Nietzsche kniet resigniert vor den Trümmern einer prachtvollen Kirche. Auf der Fassade steht „Religion“ und auf einer Wand „Moral“. Von der Kirche schwingt eine Abrissbirne weg, auf der „Determinismus“ steht. Über Nietzsche schwebt die Gedankenblase: „Gott ist tot.“ Die Abrissbirne steht auf einem Fundament, auf dem rechts daneben ein neues, schnörkelloses Gebäude errichtet wird, auf dem „Atheismus“ steht. Das Fundament, auf dem die Abrissbirne und der Bau des neuen Gebäudes („Atheismus“) stehen, trägt die Aufschrift „Naturwissenschaft“.
Außerdem möchte ich in der Illustration den Zusammenhang zwischen dem Entstehen der Religionskritik bzw. des Atheismus der Aufklärung und Moderne und der Entwicklung der Naturwissenschaften aufzeigen. Das Fundament soll mehrschichtig sein, sodass man erkennt, dass eine der unteren Schichten von Mönchen bzw. religiösen Gelehrten und Scholastikern erbaut wurde, weil wichtige Wurzeln systematischer Naturbeobachtung und Naturphilosophie auch in Klöstern, Klosterschulen und der Scholastik des Mittelalters liegen.
Im Unterricht habe ich Thomas von Aquin, Anselm von Canterbury, Ockham, Newton, Galileo Galilei, Laplace, Pascal, Feuerbach, Marx und Darwin behandelt.“

„Verwende dieses Bild und verändere es folgendermaßen: Max Planck zieht die Naturwissenschaft in die Zukunft (nach rechts), indem er sie durch die Erkenntnisse der Quantenphysik weiterbringt. Damit bekommt nicht die Naturwissenschaft Risse, sondern der klassische Determinismus verliert sein bisher scheinbar sicheres naturwissenschaftliches Fundament, weil er durch die Quantenphysik zumindest deutlich erschüttert wird. Der Kran mit der Abrissbirne kippt also vom Fundament. Und das lässt auch das Bauwerk eines theoretischen Atheismus Risse bekommen, sofern es sich zuvor stark auf ein deterministisches Weltbild gestützt hatte.“

Bilder mit diesem Detailgrad waren bisher selbst mit Googles Nano Banana Pro kaum in dieser Zuverlässigkeit möglich, auch wenn die Google-Produkte abseits der Bildgenerierung in vielen Bereichen eine sehr gute Alternative darstellen. Hier sind neben Gemini insbesondere NotebookLM und Antigravity zu nennen – letzteres ist Googles Agentensystem als Alternative zu Codex und Claude Code.
Da ich persönlich zwar viel mit KI arbeite, aber nicht mehrere Abos abschließen wollte, bin ich nun Ende April wieder zu ChatGPT gewechselt. Ehrlicherweise gefällt mir der seriöse Ton von Claude besser und auch die erzeugten Dokumente machen auf mich bei Claude oft einen etwas professionelleren Eindruck. Aber in ChatGPT liegen viele meiner Projekte und gerade mit dem hohen Nutzungslimit und dem extrem starken Bildmodell hat mich ChatGPT für den Moment wieder überzeugt.
Mal sehen, was als Nächstes kommt!
Autor dieses Newsletterbeitrags ist Markus Piller. Herr Piller ist Mitglied des Teams der Expertinnen und Experten im Referentennetzwerk digitale Bildung für die Gymnasien in der Oberpfalz.
In der kommenden Woche werden wir übrigens einen Blick auf interessante Prompts für Lehrkräfte und Lernende werfen!
Mit besten Grüßen aus der MB-Dienststelle
David Bartmann (iBdB), Michael Schmid (mBdB) und das Expertenteam der Beratung digitale Bildung |