|
Sonntag, den 05.07.2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
kennen Sie schon Mila und Felix?

Mila und Felix sind die Hauptfiguren des neuen Chat- und Social-Media-Kompasses des digitalkompass.schule. Ziel des neuen Angebots ist es, Schülerinnen und Schüler auf einen kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien vorzubereiten. Während der Chatkompass für den Einsatz in der Grundschule konzipiert wurde, richtet sich der Social-Media-Kompass an die weiterführenden Schulen und unterstützt sie bei der medienpädagogischen Arbeit.
In vier Modulen begleiten Mila und Felix die Lernenden durch zentrale Themenbereiche der Social-Media-Nutzung: Von der alltäglichen Nutzung über Selbstdarstellung und Privatsphäre bis hin zur Rolle der Algorithmen und der gesunden Nutzung sozialer Medien deckt der Kompass eine Vielzahl relevanter Themen ab. Wie bereits beim Tablet- und dem KI-Kompass ist das Material direkt einsatzbar, didaktisch aufbereitet und flexibel anpassbar. Je nach gewählter Variante für Einstieg und Plenumsphase dauert die Durchführung eines Kapitel zwischen 45 und 90 Minuten. Für die vollständige Bearbeitung sollten daher insgesamt etwa zehn Unterrichtsstunden eingeplant werden. Begleitende Elterninformationen stehen selbstverständlich ebenfalls fertig vorbereitet zur Verfügung.
Dabei stellt sich natürlich wieder einmal die Frage: Wie soll ich neben Tableteinführung, KI-Kompass, Verfassungsviertelstunde, neuen Prüfungsformen und vielen anderen Aktivitäten nun auch noch die Module des Social-Media-Kompasses in meinen Unterricht integrieren? Wäre es nicht viel einfacher es Australien gleichzutun und soziale Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 einfach zu verbieten?
Der Blick nach Australien zeichnet allerdings - wenig überraschend - ein ernüchterndes Bild: Der Guardian berichtete kürzlich von Erkenntnissen, dass 80% der Kinder und Jugendlichen trotz des Verbotes social media unverändert nutzen. Auch wenn hier vor allem unzureichende Kontrollmechanismen thematisiert werden, weisen andere Studien auf höchst unerwünschte Nebeneffekte hin: Eine australische Untersuchung zeigte deutliche Zusammenhänge zwischen einer geringeren Social-Media-Nutzung und einem sinkenden Nachrichtenkonsum. 51% der Jugendlichen, die nicht versucht hatten, das Verbot zu umgehen, gaben an deutlich weniger Nachrichten zu konsumieren. In Zeiten, in denen auch unsere Demokratie von vielen Seiten unter Druck gerät, ist das keine erfreuliche Entwicklung.
Natürlich sind diese Erkenntnisse noch vergleichsweise neu, und über Verbesserungen der bestehenden Regelungen lässt sich sicherlich diskutieren. Indiskutabel bleibt jedoch: Selbst wenn ein effektives Verbot implementiert und Kinder und Jugendliche auf anderem Wege etwa mit aktuellen Nachrichten versorgt werden würden, wäre das eigentliche Problem damit lediglich aufgeschoben. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit sozialen Medien muss erlernt werden! Denn auch wenn Jugendliche mit 16 theoretisch reifer und gebildeter sind, zeigt die Erfahrung, dass selbst Erwachsene Schwierigkeiten im Umgang mit sozialen Medien haben - und dabei sind Themen wie KI-generierte Inhalte, Hassrede oder Desinformation noch gar nicht berücksichtigt. Medienbildung ist somit ein wichtiger und integraler Teil des schulischen Bildungsauftrags!
Diese Erkenntnis löst allerdings das eingangs beschriebene Problem noch nicht: Wie soll all das im Schulalltag untergebracht werden, ohne dass der Fachunterricht auf der Strecke bleibt?
Die Antwort kann nur in guter Planung und einer breit aufgestellten Aufgabenverteilung liegen. Ein schulinternes Medien- und Methodencurriculum kann hierbei eine wertvolle Unterstützung sein. So wie die Verfassungsviertelstunde über die gesamte Schullaufbahn hinweg auf verschiedene Fächer und Jahrgangsstufen verteilt werden soll, braucht es auch für die Medienbildung eine verbindliche Struktur. Wenn die Tableteinführung z.B. im 2. Halbjahr des Informatikunterrichts der 7. Jahrgangsstufe untergebracht wird, kann der KI-Kompass in der 8. Jahrgangsstufe seinen Platz finden. Der Social-Media-Kompass wäre im Rahmen der Alltagskompetenzen oder verteilt im Fachunterricht auf mehrere Schultern gut unterzubringen.
Dafür braucht es jedoch eine gute Planung, klare Strukturen und ein angemessenes Maß an Verbindlichkeit. Ein Medienteam mit fünf bis acht engagierten Kolleginnen und Kollegen kann dabei – sowohl an der Schule als auch im Bereich der Schulentwicklung – wichtige Impulse setzen und die Koordination übernehmen.
Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen unsere Unterstützung. Lassen wir sie im digitalen Raum nicht allein.
Mit besten Grüßen aus der MB-Dienststelle in Regensburg
David Bartmann (iBdB), Michael Schmid (mBdB) und das Expertenteam der Beratung digitale Bildung |