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Sonntag, den 03.05.2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Digitalisierung von Schulen wird nahezu immer aus pädagogischer Perspektive betrachtet – zu Recht, denn pädagogische Zielsetzungen geben den Rahmen vor, dem technische Lösungen folgen sollten. Im mebis Magazin finden sich zahlreiche fundierte Artikel und Konzepte dazu, wie digitale Medien Unterricht und Lernen sinnvoll unterstützen und entwickeln können. Was es hier nicht gibt, ist eine ebenso strukturierte Auseinandersetzung mit der technisch‑organisatorischen Umsetzung der Digitalisierung im schulischen Alltag.
Die Beratung digitale Bildung hat deshalb eine strukturierte Liste grundlegender Maßnahmen entwickelt, die insbesondere Systembetreuungen, Schulleitungen und allen Personen in der Schulfamilie, die technische Verantwortlichkeiten haben, als Guideline dienen soll. Sie bietet Orientierung, wie Digitalisierung aus einer planerischen, organisatorischen und technischen Perspektive gedacht, aufgebaut und langfristig entwickelt werden kann.
20 grundlegende technisch-organisatorische Strukturmaßnahmen für die Digitalisierung von Schulen
Mindestanforderungen
Diese Punkte stellen unverzichtbare Voraussetzungen für einen rechtssicheren, stabilen und verantwortbaren digitalen Schulbetrieb dar.
- Datenschutz
Der Datenschutz muss an Schulen konsequent eingehalten und beispielhaft vorgelebt werden. Erreichbare höhere Datenschutzstandards müssen umgesetzt werden.
- IT‑Sicherheit
Die Vulnerabilität von Systemen muss so gering wie möglich gehalten werden. Der jeweils nächsthöhere erreichbare Sicherheitsstandard muss fortlaufend angestrebt und umgesetzt werden.
- Verlässliche und ausfallsichere Basisinfrastruktur
Stromversorgung, Netzwerk, WLAN und Internetanbindung müssen für den vorgesehenen schulischen Betrieb zuverlässig verfügbar sein. Kritische Infrastrukturkomponenten müssen, wenn möglich, durch ausfallsichere, redundante oder automatisiert datenspeichernde Systeme abgesichert sein. Aufbau, Abhängigkeiten und Zuständigkeiten müssen dokumentiert sein.
- Nicht‑Personenabhängigkeit
Systeme müssen unabhängig von einzelnen Personen funktionsfähig sein und bleiben. Wissen und Know-how müssen in einem definierten Personenkreis vorhanden sowie aktuell, nachvollziehbar und zugänglich dokumentiert sein.
- Zugänglichkeit und Zuständigkeiten
Alle Systeme und Strukturen müssen den damit arbeitenden Personen bekannt und – nach entsprechender Berechtigung – schnell zugänglich sein. Zuständigkeiten, Rollen und Ansprechpersonen müssen eindeutig festgelegt sein.
- Rollen‑ und Rechtemanagement
Für alle Systeme müssen klare Rollen- und Rechtekonzepte bestehen. Zugriffsrechte müssen dem Prinzip der minimalen Berechtigung folgen und regelmäßig überprüft werden.
- Qualifizierung
Für alle Systeme und Strukturen müssen den Nutzern Angebote zur Schulung, zum Onboarding sowie zur erforderlichen Weiterbildung gegeben werden.
- Notfall‑ und Wiederherstellungsfähigkeit
Für Notfälle und Systemausfälle müssen Protokolle sowie Maßnahmenpläne zur Wiederherstellung verfügbar sein. Diese müssen einem geschulten Personenkreis zugänglich sein.
- Rechtssichere Beschaffung und Lizenzen
Digitale Systeme müssen rechtssicher beschafft, lizenziert und betrieben werden. Lizenzmodelle, Laufzeiten und Nutzungsrechte müssen transparent dokumentiert sein. Änderungen bei Lizenzen müssen mit den betroffenen Nutzern langfristig kommuniziert werden.
- Barrierefreiheit und Inklusion
Digitale Systeme müssen grundlegende Anforderungen an Barrierefreiheit erfüllen. Unterstützende Funktionen müssen berücksichtigt und nutzbar sein.
Qualitätsziele
Diese Punkte beschreiben fachlich sinnvolle Zielrichtungen mit Entwicklungs- und Gestaltungsspielraum, den jede Schule individuell für sich umsetzen sollte.
- Langfristige Systementwicklung
Digitale Systeme sollen sich kontinuierlich weiterentwickeln. Eine langfristige Systementwicklungsplanung soll bestehen und sich in einem entsprechend angelegten Systemplan widerspiegeln.
- Mehrwertorientierung
Infrastruktur und Systeme sollen gegenüber analogen oder älteren digitalen Lösungen einen klaren Mehrwert oder eine deutliche Vereinfachung bieten. Das reine Ersetzen von Systemen soll vermieden werden.
- Ökonomische Verantwortung
Ökonomische Aspekte sollen berücksichtigt werden. Systeme und Strukturen sollen keine Prestigeprojekte darstellen, sondern sofort in die tägliche produktive Arbeit oder Nutzung eingehen.
- Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit und ökologische Aspekte sollen beispielhaft umgesetzt werden. Lebenszyklen von Geräten und Strukturen sollen möglichst lang ausgelegt sein. Bestehende Systeme sollen upgradefähig und weiterverwendbar bleiben.
- Standardisierung und Zukunftsoffenheit
Systeme und Prozesse sollen soweit wie möglich vereinheitlicht werden. Insellösungen sollen vermieden werden. Offene Standards und Schnittstellen sollen unterstützt werden, um Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu reduzieren.
- Wartungsarmut und Stabilität
Digitale Systeme sollen möglichst wartungsarm ausgelegt sein und langfristig stabil laufen. Wartungsintensive Systeme sollen schrittweise durch Systeme mit geringerem Betriebsaufwand ersetzt werden.
- Pädagogische Vorgabe
Digitale Systeme sollen pädagogisch sinnvoll einsetzbar sein und Schul- sowie Unterrichtsentwicklung unterstützen. Technik soll didaktischen Konzepten folgen – nicht andersherum.
- Angemessene Komplexität
Die Komplexität digitaler Systeme soll im schulischen Kontext alters- und jahrgangsstufengerecht von einfach zu komplex ansteigen.
- Akzeptanz‑ und Change‑Management
Digitale Veränderungen sollen aktiv begleitet werden. Information, Beteiligung und Rückmeldungen der Nutzenden sollen systematisch berücksichtigt werden.
- Evaluation und Transparenz
Der Einsatz digitaler Systeme soll regelmäßig evaluiert werden. Ziele, Entscheidungen und Weiterentwicklungen sollen transparent kommuniziert werden.
Wir hoffen, dass diese Liste Ihre schulische Digitalisierungsentwicklung sinnvoll unterstützt und eine praktische Orientierung für Planung und Weiterentwicklung bietet.
Mit besten Grüßen aus der MB-Dienststelle
David Bartmann (iBdB), Michael Schmid (mBdB) und das Expertenteam der Beratung digitale Bildung |