Im heutigen Newsletter stellt Ihnen erneut Herr Stefan Klein, Lehrkraft für die Fächer Informatik, Mathematik und Sport am Goethe-Gymnasium in Regensburg und Experte im Referentennetzwerk für Digitale Bildung an den Gymnasien in der Oberpfalz, seine Erfahrungen und Workflows mit einem AIS.chat-Bot, einem Angebot der ByCS, für die schulische Organisationsarbeit und für den Unterrichtseinsatz vor.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
kurz vor den Zeugnisterminen bietet sich in vielen Lehrerzimmern Jahr für Jahr ein ähnliches Bild. Obwohl ausführliche und akribisch erarbeitete Handreichungen, Anleitungen und Rundschreiben vorhanden sind, entstehen immer wieder dieselben Fragen oft in Verbindung mit hektischem Verhalten:
Wo müssen Noten eingetragen werden? Welche Frist gilt? Warum erscheint eine bestimmte Fehlermeldung?
Die Informationen sind meist vorhanden – sie werden nur im entscheidenden Moment nicht gefunden. Genau hier können die Assistenten in AIS.chat helfen. Aus vorhandenen Dokumenten lässt sich innerhalb weniger Minuten ein digitaler Assistent erstellen, der Fragen beantwortet, Informationen auffindbar macht und Kolleginnen und Kollegen unterstützt.
Vielleicht klingt die Erstellung eines eigenen KI-Assistenten zunächst nach einem größeren Projekt. Tatsächlich lässt sich ein erster Prototyp bereits in wenigen Minuten erstellen.
Der 5-Minuten-Einstieg in fünf Schritten:
Schritt 1: Anmeldung bei AIS.chat
Nach dem Aufruf der AIS.chat Startseite wählen Sie „Mit VIDIS einloggen“, geben Sie „ByCS“ ein, klicken Sie auf „Sichere Anmeldung über BayernCloud Schule“ und melden Sie sich mit Ihrer ByCS-Kennung an.
Sollte die Anmeldung wider Erwarten nicht funktionieren, wurde die kostenlose Freischaltung an Ihrer Schule möglicherweise noch nicht aktiviert. In diesem Fall fragen Sie Ihre Systembetreuerin oder Ihren Systembetreuer sowie Ihren ByCS Administrator oder Ihre ByCS Administratorin.


Schritt 2: Einen Assistenten erstellen
Klicken Sie auf „Assistenten“ und dann rechts auf „Assistent erstellen“. Vergeben Sie anschließend einen Namen sowie eine kurze Beschreibung, beispielsweise „Schulassistent“, „ByCS-Helfer“, „Digitale Schule FAQ“ oder „Abiturcoach Mathematik“.
Schritt 3: Wissen hochladen
AIS.chat kann PDF-Dateien, Office-Dokumente und Bilder als Wissensquelle sowie Internetquellen nutzen. Je nach Einsatzbereich können Sie bei „Hintergrundwissen“ beispielsweise Schul-ABC, Organigramme, FAQ-Sammlungen, Formulare, Handreichungen, Kalenderinformationen, mebis-Anleitungen oder ByCS-Dokumentationen hochladen. Das kann auch direkt per drag and drop erfolgen. Besonders interessant ist dabei, dass sich die Wissensbasis kontinuierlich erweitern lässt. Denkbar wäre beispielsweise ein regelmäßiger Import aktueller Kalenderdaten oder die automatisierte Aktualisierung wichtiger Formulare und Handreichungen. Dadurch bleibt der Assistent langfristig aktuell.
Schritt 4: Verhalten festlegen
Bei „Instruktionen“ kann festgelegt werden, wie der Assistent antworten soll. Die Erfahrung zeigt, dass Kolleginnen und Kollegen einen Assistenten deutlich lieber nutzen, wenn dieser nicht wie eine Suchmaschine oder Behörde wirkt, sondern eher wie eine geduldige Kollegin oder ein hilfsbereiter Kollege im Lehrerzimmer.
Hier ein passender Prompt dazu:

Schritt 5: Mit dem Assistenten chatten und als Link teilen
Nun können Sie oben links auf „chatten“ klicken und den Assistenten direkt verwenden. Sie können Ihren Assistenten auch direkt per Link mit Kolleginnen und Kollegen oder Schülerinnen und Schülern teilen (Tipp: Nutzen Sie dazu einen QR-Code und/oder Kurzlink in ByCS) oder beim Setzen des entsprechenden Häkchens automatisch der gesamten Schule zur Verfügung stellen.

Anwendungsfälle
Anwendungsfall 1: Der digitale Schulassistent
Wenn der Schulassistent mit schulorganisatorischen Dokumenten befüllt wurde, können gerade neue Lehrkräfte davon profitieren. Typische Fragen zu Krankmeldungen, Ansprechpartnern, Raumreservierungen, Abwesenheitserfassung, Noteneingabe oder schulischen Abläufen können direkt beantwortet werden, ohne zahlreiche Dokumente durchsuchen zu müssen.
Natürlich ersetzt ein digitaler Schulassistent nicht das persönliche Gespräch. Viele Kolleginnen und Kollegen schätzen den direkten Austausch mit Schulleitung, Verwaltung oder erfahrenen Lehrkräften. Gleichzeitig sind diese Personen nicht jederzeit verfügbar. Ein Assistent kann deshalb als erste Anlaufstelle dienen und einfache Standardfragen abfangen, während komplexere Anliegen weiterhin persönlich geklärt werden.
Anwendungsfall 2: Unterstützung der ByCS-Administration
Auch für ByCS-Administratorinnen und ByCS-Administratoren bietet sich ein interessantes Einsatzfeld. Viele Supportanfragen wiederholen sich regelmäßig und betreffen die Anmeldung an der BayernCloud Schule, den Messenger, die dienstliche E-Mail, Videokonferenzen, mebis-Kurse oder die Rechtevergabe innerhalb der verschiedenen Systeme.
Als Wissensbasis zur Beantwortung dieser Fragen dienen die offiziellen ByCS-Handreichungen und die Hilfeseiten der BayernCloud Schule. Über den Webzugriff von AIS.chat, der hier ausdrücklich aktiviert werden sollte, kann der Assistent zusätzlich auf aktuelle Hilfeseiten und die umfassenden Tutorials der ByCS zugreifen.

Als Instruktionen könnte hier beispielsweise hinterlegt werden: "Wenn die Frage mithilfe der bereitgestellten Dokumente nicht eindeutig beantwortet werden kann, verweise auf die offiziellen Hilfeseiten der BayernCloud Schule. Kann das Problem weiterhin nicht gelöst werden, verweise an die zuständige ByCS-Administration unserer Schule mit den entsprechenden Kontaktdaten."
Dadurch entsteht eine Art digitaler First-Level-Support, der viele Standardfragen bereits beantworten kann und gleichzeitig den direkten Kontakt zu den zuständigen Personen ermöglicht.
Anwendungsfall 3: Lernassistenten für Schülerinnen und Schüler
Besonders spannend ist die Erstellung fachspezifischer Lernassistenten. Im Fach Mathematik könnte beispielsweise ein Assistent mit dem eigenen Unterrichtsskript, selbst erstellten Übungsaufgaben, Musterlösungen und früheren Schulaufgaben gefüttert werden.
Der große Vorteil liegt dabei nicht nur im Fachwissen, sondern in der Orientierung am eigenen Unterricht. Der Assistent kennt die verwendeten Begriffe, die typischen Aufgabentypen, die Schwerpunkte der Lehrkraft und die Art, wie Fragen in Schulaufgaben gestellt werden. Dadurch entsteht kein allgemeiner Mathematik-Chatbot, sondern ein digitaler Lernbegleiter, der die Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Anforderungen des eigenen Unterrichts vorbereitet. Über den Prompt kann zudem festgelegt werden, dass zunächst Hinweise gegeben, Verständnisfragen gestellt und vollständige Lösungen erst auf Wunsch angezeigt werden.
Auch hier gilt: Ein Assistent ersetzt keine Lehrkraft. Viele Schülerinnen und Schüler profitieren von persönlicher Rückmeldung, Nachfragen und dem direkten Kontakt. Gleichzeitig steht eine Lehrkraft nicht rund um die Uhr zur Verfügung. Ein Lernassistent kann deshalb eine zusätzliche Unterstützung bieten, wenn beim Üben zuhause Fragen entstehen.
Nicht alles, was man hochladen kann, sollte man hochladen
AIS.chat wurde speziell für den schulischen Einsatz entwickelt und kann über die BayernCloud Schule datenschutzkonform genutzt werden.
Nicht hochgeladen werden sollten personenbezogene Daten von Schülerinnen und Schülern, Eltern oder Lehrkräften, beispielsweise Klassenlisten, Notenübersichten, Gutachten, Förderpläne, Gesundheitsdaten oder vertrauliche Personalunterlagen.
Als Faustregel gilt: Dokumente, die nicht problemlos dem gesamten Kollegium zur Verfügung gestellt werden könnten, also man nicht einfach offen im Lehrerzimmer herumliegen lassen könnte, sollten auch nicht als Wissensquelle eines Assistenten verwendet werden.
Beim Einsatz fachlicher Lernassistenten empfiehlt es sich zudem, vor allem eigene Unterrichtsmaterialien, selbst erstellte Aufgaben, Skripte und Zusammenfassungen zu verwenden. Das Hochladen kompletter Lehrwerke oder größerer Teile urheberrechtlich geschützter Materialien gilt als Urheberrechtsverstoß.
Grenzen und Herausforderungen
Wie bei allen KI-Anwendungen hängt die Qualität der Antworten unmittelbar von der Qualität der bereitgestellten Dokumente ab. Veraltete Anleitungen führen zu veralteten Antworten, unvollständige Dokumentationen zu unvollständigen Ergebnissen.
Zudem ersetzt ein Assistent weder die Systembetreuung noch die Schulleitung oder die Lehrkraft. Er kann Informationen schneller zugänglich machen und wiederkehrende Fragen beantworten, die Verantwortung für Entscheidungen verbleibt jedoch beim Menschen.
Viele Schulen verfügen bereits über hervorragende Handreichungen, Dokumentationen und Unterrichtsmaterialien. Die Herausforderung besteht häufig nicht darin, diese Informationen zu erstellen, sondern sie im richtigen Moment verfügbar zu machen.
Ihr konkreter Einstieg in einen persönlichen, digitalen Assistenten
Der Einstieg in die Arbeit mit KI-Assistenten muss dabei kein Großprojekt sein. Beginnen Sie mit einigen wenigen Dokumenten aus Ihrem eigenen Fach oder Aufgabenbereich. Mit wenigen Klicks lässt sich beispielsweise ein Assistent zur Vorbereitung auf die kommende Schulaufgabe erstellen und der eigenen Lerngruppe zur Verfügung stellen. Die Rückfragen Ihrer Schülerinnen und Schüler liefern dabei oft wertvolle Hinweise darauf, welche Inhalte besonders relevant sind und welche Verständnisprobleme regelmäßig auftreten.
Probieren Sie es einfach aus. Oft reichen einige wenige Dokumente und fünf Minuten Zeit, um erste Erfahrungen zu sammeln. Alles Weitere ergibt sich meist aus den Fragen der Kolleginnen und Kollegen oder der Schülerinnen und Schüler von selbst.
Wenn Sie weitere Fragen zu dem Thema der AIS.chat-Bots haben, können Sie Herrn Stefan Klein gerne über unsere Homepage kontaktieren.