30% weniger Korrekturarbeit für Deutschlehrkräfte mit KI

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Die Korrektur von Deutschaufsätzen gehört für viele Lehrkräfte zu den aufwendigsten Aufgaben im Schulalltag. Gerade die Wortgutachten am Ende eines schriftlichen Schüleraufsatzes sollen differenziert, fachlich fundiert und sprachlich angemessen sein – das kostet Mühe und Zeit.

Die Kollegin Melanie Walbrunn, Lehrerin am am Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth, hat hier einen spannenden Weg gefunden, sich zu entlasten: Sie nutzt ChatGPT unterstützend für die Erstellung ihrer Wortgutachten und konnte ihre Arbeitszeit für die Gesamtkorrektur um etwa 30 % reduzieren.

Der Einstieg in die Arbeit mit der KI war erstaunlich unkompliziert. Sie begann mit einem kurzen Prompt, den Sie in ChatGPT (in der Pro-Version) eingab:

„Erstelle mir aus den mündlichen Kommentaren jeweils ein Wortgutachten für die Bewertung einer Deutschklausur. Die Wortgutachten sollen dem Anspruch einer 12. Jahrgangsstufe im Fach Deutsch an einem bayerischen Gymnasium angemessen sein.“

ChatGPT reagierte auf den Prompt und fragte nach den mündlichen Kommentaren sowie optionalen Zusatzinfos wie Thema, Bewertungsschwerpunkte oder Note. Nachdem diese Punkte geklärt waren, ging es an die eigentliche Arbeit.
Die Lehrkraft kommentierte ihre bereits handschriftlich korrigierten Aufsätze einfach mündlich, ganz ohne festes Schema. Sie sprach alle Aspekte an, die im jeweiligen Text auffielen – sei es Inhalt, Aufbau, Argumentation, Sprache, Ausdruck oder Kohärenz in die KI ein. ChatGPT hörte mit und transkribierte das Gesagte. Entscheidend war: Die Kommentare entstanden so, wie sie sonst für sich selbst gedacht wären – spontan, teilweise unsortiert, aber immer schülerspezifisch und schülertextbezogen.
Aus genau diesen mündlich eingesprochenen Kommentaren erstellte die KI anschließend ein strukturiertes Wortgutachten. Dieser Workflow funktionierte erstaunlich gut: Die oft stichpunktartigen oder assoziativen Beobachtungen wurden zu einem zusammenhängenden, klar gegliederten Text ausgearbeitet, der dem Niveau der voll Oberstufe entspricht und wertvolles individuelles Feedback liefert.

Hier ein Beispiel eines Wortgutachtens einer Schülerarbeit, die mit KI Unterstützung erstellt wurde:

Die Arbeit zeigt bereits in der Einleitung grundlegende Schwierigkeiten im Verständnis des Gedichts. Dies wirkt sich auch auf die anschließende Inhaltsdarstellung aus, die stellenweise über eine reine Zusammenfassung hinausgeht und eher interpretierende Züge annimmt, ohne jedoch die zentralen Aussagen der einzelnen Strophen hinreichend präzise zu erfassen. Insgesamt bleibt die inhaltliche Durchdringung des Textes daher lückenhaft.

Auch im Bereich der formalen Analyse ergeben sich Unsicherheiten: Das Metrum wird nur teilweise korrekt bestimmt, wodurch die daran anschließenden Deutungsansätze nicht tragfähig sind. Wichtige strukturelle Merkmale wie Zeilensprünge werden nicht erkannt. Die Einordnung des Gedichts als Volksliedstrophe erscheint zudem fragwürdig und wird nicht überzeugend begründet; entsprechende Deutungen, etwa im Hinblick auf eine vermeintliche „allgemeine Volksseele“, bleiben unklar und wenig nachvollziehbar.

In der Analyse der sprachlichen Gestaltung ist positiv hervorzuheben, dass eine Vielzahl rhetorischer Mittel zutreffend identifiziert wird und eine intensive Auseinandersetzung mit der sprachlichen Ebene erkennbar ist. Allerdings gelingt es nur bedingt, diese Beobachtungen sinnvoll mit dem inhaltlichen Gehalt des Gedichts zu verknüpfen. Die Interpretationen wirken häufig überdehnt, sodass der Bezug zur Textaussage verloren geht. Hier zeigt sich erneut das unsichere Textverständnis.

Sprachlich ist die Arbeit insgesamt korrekt und weitgehend fehlerfrei. Gleichzeitig fällt jedoch auf, dass häufig eine sehr komplexe und stark akademisierende Ausdrucksweise angestrebt wird, die zu unnötig komplizierten Satzstrukturen und teilweise inhaltsleeren Formulierungen führt. Eine klarere, präzisere und stärker am Text orientierte Darstellung wäre hier zielführender. Im Bereich der Zeichensetzung sind zudem vermehrt überflüssige Kommas zu verzeichnen.

Auch in der Zusatzaufgabe setzt sich die Tendenz fort, Fachbegriffe zu verwenden, ohne diese hinreichend passend auf das vorliegende Gedicht zu beziehen. Eine stärkere Orientierung an konkreten Motiven – etwa typischen Aspekten der Romantik und deren Beitrag zur Poetisierung der Welt – hätte die Ausführungen hier deutlich vertiefen können.

Insgesamt entspricht die Leistung in Ansätzen den Anforderungen, weist jedoch vor allem im Bereich des Textverständnisses sowie der Verknüpfung von Analyse und Deutung deutliche Defizite auf. Für die weitere Arbeit empfiehlt es sich, verstärkt auf ein gesichertes inhaltliches Verständnis zu achten und dieses in klarer, verständlicher Sprache präzise darzustellen.

Wichtig war der Kollegin dabei von Anfang an der Datenschutz bei der Nutzung von KI bei Schülerarbeiten. Sie hat den Workflow so gestaltet, dass keine personenbezogenen Daten in die KI gelangen. Namen von Schülerinnen und Schülern werden grundsätzlich nicht verwendet. Auch komplette Texte werden nicht hochgeladen – stattdessen erfolgt nur die mündliche Kommentierung. Das ist aus DSGVO-Sicht relevant, da bereits Handschriften oder konkrete sprachliche Eigenheiten Rückschlüsse auf Personen zulassen können. So bleibt die Nutzung der KI im rechtlich unkritischen Rahmen.

Das Fazit Fazit der Kollegin ist eindeutig: Die Kombination aus eigener fachlicher Einschätzung und der sprachlichen Ausarbeitung durch die KI funktioniert sehr gut. Die Qualität der Gutachten ist hoch – teils wird sie sogar besser –, während gleichzeitig spürbar Zeit eingespart wird. Nach eigener Einschätzung konnte sie ca. 30% Korrekturzeit dadurch einsparen.

Unterm Strich also ein Workflow, der sich definitiv lohnt: effizient, praxistauglich und mit überschaubarem Aufwand umzusetzen.

Falls Sie Fragen an die Kollegin haben, kann Ihnen die Beratung digitale Bildung behilflich sein, den Kontakt herzustellen.

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