Herausforderungen des Fernunterrichts und Ideen zur Bewältigung

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In den Rückmeldungen und Beratungen der letzten Wochen sind einige Herausforderungen des Fernunterrichts deutlich geworden. Im Folgenden sollen diese etwas zusammengefasst und Vorschläge zur Bewältigung gegeben werden. An Ihren Erfahrungen zu diesem Thema sind wir sehr interessiert. Kommentieren Sie einfach diesen Artikel oder schreiben Sie eine E-Mail (unter Kontakt). Wir werden dies dann gerne in den Beitrag einarbeiten.

Zurechtfinden im Unterrichtsmaterial
Für Schülerinnen und Schüler ist es oft schwer, sich zurechtzufinden, wenn die Aufgeben der einzelnen Fächer über verschiedene Kanäle gestellt werden. Um den Erhalt der Aufgaben sicherzustellen, schicken manche Lehrkräfte sogar das selbe Material doppelt über verschiedenen Kanäle, was natürlich für Schüler und Eltern einen zusätzlichen Abgleich erforderlich macht. Eltern berichten auch, dass sie verunsichert sind, ob ihnen wirklich alle Kanäle bekannt sind, wenn sich ein Fach zum Beispiel noch nicht gemeldet hat. Trotzdem möchten Lehrkräfte die Vielfalt der Methoden nutzen. Es könnte ein einziger Eingangspunkt existieren, optimalerweise eine Art verlinktes Klassenbuch, in das die Lehrkräfte ihre Aufgaben eintragen und im besten Fall entsprechend verlinken. Dies kann zum Beispiel ein verlinktes und freigegebenes Dokument auf der Schulcloud sein.

Arbeitsbelastung der Schülerinnen und Schüler
Zur Arbeitsbelastung gibt es von Eltern sehr unterschiedliche Rückmeldungen. Einige berichten, dass sich ihr Kind langweilt, viele geben aber auch an, dass das Arbeitspensum kaum oder nicht zu bewältigen ist, vor allem, wenn die Erarbeitung neuer Inhalte in Spiel kommt. Auch hier könnte das Klassenbuch Abhilfe schaffen: Wenn die Lehrkräfte dort ihre Aufgaben mit einer ungefähren Bearbeitungszeitangabe einstellen, wissen die Kolleg*Innen, wieviel die Klasse schon zu tun hat. Es darf nicht unterschätzt werden, dass für Kinder das Arbeiten zuhause im Stillen ohne die sozialen Kontakte mit den Gleichaltrigen oder der Interaktion mit der Lehrkraft sehr viel anstrengender ist als in der Schule. Deshalb kann die Arbeitszeit nicht 1:1 auf den Fernunterricht umgesetzt werden. Die Arbeitsbelastung kann aber auch durch einen Fächerwochenplan ein wenig reduziert werden, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht jedes Fach jeden Tag nach neuen Aufgaben überprüfen müssen und die Lehrkräfte gleichmäßig verteilt die Aufgaben einstellen.

Neue Unterrichtsinhalte
Neue Unterrichtsinhalte sind für Schülerinnen und Schüler alleine schwer zu erarbeiten. Häufig brauchen Sie dafür die Eltern. Auch die Arbeitsdauer darf dabei nicht unterschätzt werden. Sie ist bei den meisten Schülerinnen und Schülern länger als dies in der Schule der Fall ist. Es wird berichtet, dass Videos oder Erklärvideos, die es häufig auch schon in der mebis-Mediathek oder auf anderen Videoplattformen gibt, hilfreich sind. Die Erreichbarkeit der Lehrkraft über ein Forum, einen Chat oder eine Telefonsprechstunde ist ebenfalls ein gutes Mittel, das Schüler*Innen aber von sich aus oft nicht gerne nutzen. Gelegentliche Videokonferenzen mit Bildschirmfreigabe und der Möglichkeit zur Rückfrage durch den Schüler oder die Schülerin erscheinen für neue Inhalte optimal zu sein. Dies schont die Eltern, die sich u.U. auch erst selbst in die Inhalte einarbeiten müssten und/oder selbst berufstätig sind.

Soziale Interaktionen beim Lernen
Dass erfolgreiches Lernen unmittelbar von den sozialen Interaktionen mit Mitschülern und Lehrkräften abhängt, ist offensichtlich und weiß jede Lehrkraft. Soziale Lernformen wie echte Gruppenarbeit, Diskussionen von Angesicht zu Angesicht oder die Auseinandersetzung mit der Lehrkraft kann der Fernunterricht kaum leisten. Hier können digitale Werkzeuge maximal eine Ergänzung oder derzeit einen vorübergehender „Workaround“ darstellen. Dennoch ist es für Schülerinnen und Schüler nach so langer Zeit sehr wertvoll und vielleicht notwendig, dass sie Ihre Lehrkraft mit Mimik und Gestik einmal wieder sehen oder zumindest die Stimme hören. Deshalb ist die Nachfrage nach Videokonferenzen oder Telefonsprechstunden so groß. Auch von der Lehrkraft erstellte Erklärvideos kommen bei den Schülern gut an. Das gemeinsame, synchrone Erstellen von Dokumenten oder Präsentationen, wie dies mit einem Online-Office möglich ist, vielleicht sogar in Kombination mit einer Telefonkonferenz, kann eine Form von Gruppenarbeit sein (bitte beachten Sie auch unsere Fortbildungen dazu).

Überprüfen des Erreichens der Lernziele
Mit der Aktivität ‚Aufgabe‘ in mebis können Aufgaben gestellt, Ergebnisse eingefordert und durch die Lehrkraft kommentiert oder bewertet werden. Schülerinnen und Schüler erhalten in diesem Fall eine automatische E-Mail-Benachrichtigung (bei hinterlegter E-Mail-Adresse in mebis). Bitte denken Sie aber daran, dass das Abfotografieren und Hochladen in mebis u.U. kein trivialer Vorgang ist, wenn die Aufgabe nur analog erledigt werden kann (Lesen sie auch den Beitrag: mebis am Handy mit der moodle-App). Bei einer digitalen Rückmeldung ist zu berücksichtigen, dass die Jüngeren nur sehr langsam oder schlecht tippen können.
Häufig lässt sich das Verständnis auch über kleine Tests, Lückentexte oder andere automatisiert ausgewertete Fragetypen auch mit H5P in mebis – (beachte Sie hierzu auch unsere Telefortbildungen) überprüft werden. Dies kann mit der mebis-Test-Aktivität bewerkstelligt werden, aber auch die Seite https://learningapps.org hat viele fertige Inhalte und Möglichkeiten kleine interaktive Übungen selbst zu erstellen. In mebis integrieren lassen sich auch die Hot-Potatoes-Aufgaben. Hier werden die Ergebnisse sogar in die Bewertungsübersicht übernommen. In der Regel führen Schülerinnen und Schüler diese gerne aus. Diejenigen Schüler, bei denen sich Verständnisschwierigkeiten zeigen, können dann beispielsweise in eine freiwillige Videokonferenz eingeladen werden, damit sie den Anschluss nicht verlieren.

Ausstattung der Schülerinnen und Schüler
Haben Schülerinnen und Schüler keine geeigneten Geräte zu Hause, können nach vorheriger Absprach e mit dem Sachaufwandsträger die mobilen Geräte, die im Schulhaus gerade nicht gebraucht werden, verliehen werden. Wenden Sie sich in diesem Fall an die Systembetreuerin oder den Systembetreuer Ihrer Schule.

Elternschonender Unterricht
Schon oben sind einige Gesichtspunkte angesprochen worden, wie auf die besondere Situation der Eltern Rücksicht genommen werden kann. Berufstätige Eltern, die ihre Kinder nicht den ganzen Tag betreuen können, benötigen das Unterrichtsmaterial häufig einen Tag vorher, um ihren Kindern am Vortag zu erklären, was sie am nächsten Vormittag tun sollen.

Folgerungen: Wertvolle Vorgehensweisen und Methoden des Fernunterrichts:

  • Fester, gleich bleibender Eingangspunkt für Schülerinnen und Schüler:
  • Klassenbuch/Hausaufgabenheft für alle Fächer evtl mit einem über Link freigegeben Dokument
  • Wochenplan mit Festlegung der einzelnen Fächer auf bestimmte Tage
  • Reduzierung der Lerneinheiten, vor allem ein neuen Inhalten
  • Erklärvideos für neue Lerninhalte
  • Interaktive Lerninhalte für neuen Stoff zum Prüfen des Verständnisses (H5P, https://learningapps.org)
  • Angebot von freiwilligen Tele- oder Videokonferenzen bei Schwierigkeiten mit neuen Lerninhalten
  • Tele- oder Videokonferenzen zur sozialen Kontaktaufnahme
  • Verleihen von mobilen Geräten an sozial schwache Familien
  • Rechtzeitiges Bereitstellen der Unterrichtsinhalte aus Rücksicht auf berufstätige Eltern

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