Classroom-Management

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in diesem Newsletter möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf eine kleine Stellschraube lenken – eigentlich eine Grundvoraussetzung für gelingendes Lernen und guten Unterricht mit Tablets –, die unseres Erachtens gerne unterschätzt wird: das Classroom-Management.

Dazu ein Fallbeispiel:

Lehrkraft 1 unterrichtet die Tablet-Klasse 8a im Fach X.

Lernumgebung: LK 1 steht während des Unterrichts überwiegend am Stehpult neben dem digitalen Whiteboard vorne im Klassenzimmer frontal den Schülerinnen und Schülern gegenüber. Das ist auch notwendig, da LK 1 mit einem Laptop als Lehrerdienstgerät ausgestattet wurde und diese Technik einen Tisch als Unterlage erfordert. Die SuS haben auf ihrem Tisch ein Tablet, ein Federmäppchen, manche eine Trinkflasche, einen Collegeblock u. a. liegen.

Beobachtung: LK 1 zeigt mittels eines lehrerzentrierten Vortrags anhand einer vorbereiteten PowerPoint-Präsentation wesentliche Lerninhalte auf dem digitalen Whiteboard auf.

  • Schüler A, erste Reihe, notiert eifrig mit digitalem Stift und Notizsoftware GoodNotes mit. Schüler A hat sich zudem ein funktionierendes System der Datenablage am Tablet geschaffen, bei dem alle Unterrichtsmitschriften nach Fächern und Themengebieten geordnet und strukturiert abgelegt werden. 🤓
  • Schüler B und C, mittlere Reihe, dritte Bank, recherchieren mittels Tablet nach den neuesten Modellen von NIKE-Schuhen, die sie gerne besitzen würden. 👟
  • Schüler C nutzt die Airdrop-Funktion des Tablets, um seinem Freund, Schüler D letzte Bank, Fensterreihe, ein Bild seines NIKE-Favoriten zu schicken. 
  • Schüler D erschrickt, 😱 als Airdrop angeht. Er war gerade in einer Netflix-Serie vertieft, die er unbedingt heute noch fertig schauen will.
  • Bei Schülerin F fällt die Trinkflasche um. Blöd, weil jetzt ist das Tablet nass. Ob es noch funktioniert? 🫢
  • Schülerin G hatte sich eigentlich vorgenommen, im Unterricht besser aufzupassen, da ihre Noten im Sinkflug sind. Sie hört LK 1 aufmerksam zu, jedenfalls die ersten 20 Sekunden. Da ploppt eine Nachricht von ihrer Freundin aus dem Klassenzimmer gegenüber auf ihrem Tablet auf. Ihre Freundin hat ein Snap des süßen Referendars geschickt. Schnell antworten… 😍
  • Schüler H und Schülerin I kommunizieren derweil mittels Tablet über Instagram. Im echten Leben trauen sie sich nicht anzusprechen – zu schüchtern. 🥰
  • Schüler J faltet Papierkügelchen und schnipst diese auf Schülerin K. 
  • Schülerin K ist genervt. 😒 Sie ist gerade dabei, einen Audiomitschnitt des Vortrags zu machen, um diesen dann ihren Eltern zu zeigen.
  • Eine Papierkugel trifft Schüler L: Mist! Deswegen hat er jetzt in Fortnite verloren. 🤬

Alle Schülerinnen und Schüler schrecken hoch, der 5-minütige Vortrag ist beendet. Was war noch gleich der Arbeitsauftrag? Schüler D meldet sich: Ob die LK es nicht nochmals erklären könne, er hätte es nicht ganz verstanden.🤔

LK 1 wird im Anschluss an die Stunde ins Lehrerzimmer gehen und lautstark verkünden, dass das Unterrichten mit Tablets für das Fach X keinen Sinn macht. Die Kinder würden nun viel länger brauchen, um Lerninhalte zu verstehen.

Dieses hoffentlich überspitzte Fallbeispiel zeigt auf, weshalb die Thematik des Classroom-Managements mit Tablets die Grundvoraussetzung für gelingendes Lernen und Lehren ist.

Im Folgenden kommt eine Zusammenstellung von möglichen Handlungsoptionen, die jedoch als Anregungen begriffen werden mögen.

Diese Anregungen können Sie dabei unterstützen im Kollegium einen einheitlichen, für die jeweilige Schule passenden Leitfaden des Classroom-Managements zu diskutieren und festzulegen.  

Betrachten wir nun das Fallbeispiel genauer. 

An welchen Stellschrauben kann LK 1 drehen, damit die Schülerinnen und Schüler aufmerksam sind und sich nicht von den Tablets ablenken lassen?

Anregungen für Handlungsoptionen:

1) LK 1 möchte mittels PowerPoint-Präsentation einen kurzen Input geben:

Mobilität

  • Mittels Presenter könnte LK 1 die Folien weiterschalten und sich hinten im Klassenzimmer stellen oder durch den Raum bewegen.
  • LK 1 könnte ebenfalls ein Tablet nutzen, um mobiler zu sein und die Folien durch Tippen des Bildschirms weiter schalten. 

2) LK 1 möchte Lerninhalte erklären – an dieser Stelle ist eine Mitschrift nicht nötig.

“Tabletgarage”

  • Formulierung des Arbeitsauftrags: „In den folgenden 5 Minuten erkläre ich euch xy. Hört aufmerksam zu, eine Mitschrift ist nicht nötig“.
  • Tipp: Wenn das Tablet in einer Unterrichtsphase nicht benötigt wird, sollte es immer am gleichen Ort am Tisch platziert werden.
  • Wir empfehlen, eine schulinterne, einheitliche Regelung gültig für jedes Klassenzimmer zu schaffen. Beispielsweise gelingt die Einführung einer „Tabletgarage“ mit einer Markierung eines Klebepunkts links vorne am Schülertisch: „Legt alle das Tablet umgedreht in die “Tabletgarage”/ auf den Klebepunkt. Hört mir aufmerksam zu.“

3) LK 1 sieht nicht, was die SuS auf den Tablets machen: Warum? Die SuS haben das Tablet so aufgeklappt, dass LK 1 nicht die Bildschirme sieht.

“Regeln”

  • Tipp: Die Schule schafft beispielsweise eine einheitliche Regelung, dass Tablets ausschließlich flach aufgeklappt zu nutzen sind. Damit wäre auch die Kamerafunktion nicht nutzbar.

4) Die SuS nutzen Snapchat, Instagram und Netflix während des Unterrichts auf ihrem Arbeitsgerät. Hier gibt es folgende Stellschrauben:

“Nutzungsordnung”

  • In einer Nutzungsordnung für Tablets werden Regeln festgelegt, die die Nutzung von Social Media, Games und unterrichtsfremden Apps untersagen. Der Hinweis auf das Verbot von Audio-, Foto-, und Videoaufnahmen ist dabei unabdinglich. Verstöße sollten konsequent verfolgt werden. (Hier kann auch eine Trinkregel mit eingefügt werden.) 
  • Wir empfehlen zudem die Verankerung medienpädagogischer Workshops oder Veranstaltungen mit dem Inhalt „Recht am Bild“ und das Thematisieren der schuleigenen „Nutzungsordnungen für digitale Endgeräte“ zu Beginn jedes Schuljahres.

“Mobile Device Management”:

  • Die Schule etabliert ein MDM-System auf den Tablets, z. B. Jamf. Dieses System ermöglicht zwei Modi: Modus 1 beinhaltet alle schulrelevanten Apps und schließt damit die Social-Media-Apps etc. im Vorhinein aus. Die SuS können während der Schulzeit nur auf Modus 1 zurückgreifen. Modus 2 ist der private Modus, welcher privat konfiguriert werden kann. Dieser kann beispielsweise erst ab 16 Uhr freigeschaltet werden.

“Classroom-Management-Apps”:

  • LK 1 und alle SuS sind mit ihren Tablets in ein Classroom-Management-System eingebunden, z. B. Classroom App. 
  • Die App ermöglicht einen Zugriff auf die Bildschirme aller SuS-Tablets. Damit können Lehrkräfte die Arbeit auf den einzelnen Schülergeräten live verfolgen und notfalls auch einzelne Tablets sperren. Die App bietet auch weitere Möglichkeiten wie die Projektion eines Screens am digitalen Whiteboard für eine Besprechung im Plenum.
  • Die Bereitstellung einer Classroom-Management-App, die der Lehrkraft ermöglicht, den Handlungsspielraum auf nur eine zu nutzende App auf Schüler-Tablets einzuschränken, kann zu Beginn helfen, Unsicherheiten bei der Tabletnutzung seitens der Lehrkräfte abzubauen.

Vielleicht konnten wir Sie überzeugen, weshalb Classroom-Management auf schulinterner Ebene diskutiert, festgelegt und in Form einer SchiLF für das gesamte Kollegium multipliziert werden sollte.  Auch eignen sich kollegiale Unterrichtsbesuche besonders gut, um funktionierende Abläufe zu zeigen oder von Best-Practice-Beispielen der Kolleginnen und Kollegen zu lernen. Wir unterstützen Sie dabei gerne und bieten Fortbildungen zu diesem Thema an. 

Einheitliche Regeln und schulinterne Absprachen ermöglichen eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre und schränken das Ablenkungspotenzial der Tablets ein. Außerdem bietet ein funktionierendes Classroom-Management im Zuge der Digitalisierung einen Rahmen für einen erfolgreichen Unterricht mit Tablets für das gesamte Kollegium – auch für diejenigen, die im Umgang mit Tablets noch unsicher sind. 

👉Einen besonders guten Überblick und weitere Tipps finden Sie zum Thema Classroom-Management im Mebis Magazin: 

https://mebis.bycs.de/beitrag/classroom-management

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